Unser Podcast zum Thema
Das Thema im Video erklärt
Was passiert beim Karpaltunnelsyndrom?
Im Bereich des Handgelenks verläuft ein enger „Tunnel“, der sogenannte Karpaltunnel. Durch ihn ziehen Beugesehnen und ein wichtiger Nerv: der Nervus medianus.
Wird es in diesem Tunnel zu eng – etwa durch Schwellungen, Sehnenscheidenentzündungen, hormonelle Veränderungen (z. B. in der Schwangerschaft) oder chronische Überlastung – gerät der Nerv unter Druck.
Typische Symptome – und warum sie nachts schlimmer sind
Charakteristisch sind:
- Kribbeln oder Taubheit in Daumen, Zeige- und Mittelfinger
- Nächtliches „Einschlafen“ der Hand
- Schmerzen, die bis in den Unterarm ziehen können
- Kraftverlust, z. B. beim Öffnen von Flaschen
- Im fortgeschrittenen Stadium: sichtbarer Muskelschwund am Daumenballen
Warum nachts?
Im Schlaf beugen viele Menschen unbewusst ihre Handgelenke. Diese Stellung erhöht den Druck im Karpaltunnel zusätzlich. Der ohnehin gereizte Nerv meldet sich, gern um drei Uhr morgens.
Wie stelle ich die Diagnose?
Die Diagnose beginnt mit Zuhören. Eine gute Anamnese ist oft schon die halbe Miete. Danach folgen gezielte Untersuchungen.
1. Klinische Tests
Bestimmte Provokationstests am Handgelenk können die Beschwerden reproduzieren. Sie sind einfach, aber erstaunlich aussagekräftig.
2. Neurographie – die Nervenmessung
Die Neurographie misst die Nervenleitgeschwindigkeit des Nervus medianus.
Ist der Nerv im Karpaltunnel eingeengt, wird das elektrische Signal verlangsamt. Für viele ist diese Untersuchung etwas unangenehm, aber sie dauert nur kurz und liefert sehr wertvolle Informationen, vor allem über den Schweregrad.
3. Ultraschall des Nervs – mein persönlicher Favorit
Was viele nicht wissen: Man kann den Nerv auch sehen.
Mit hochauflösendem Ultraschall lässt sich der Nervus medianus direkt darstellen. Beim Karpaltunnelsyndrom ist er typischerweise vor dem Tunnel verdickt – wie ein Stau vor einer Baustelle.
Vorteile des Ultraschalls:
- schmerzfrei
- schnell
- zeigt auch anatomische Besonderheiten (z. B. Zysten, Sehnenschwellungen)
Ich kombiniere in meiner Praxis meist Neurographie und Ultraschall. Das ergibt ein sehr rundes Bild – funktionell und strukturell.
Wann sollten Sie sich untersuchen lassen?
- Wenn Ihre Hand regelmäßig nachts einschläft
- Wenn Sie Gefühlsstörungen bemerken
- Wenn die Kraft nachlässt
- Wenn Beschwerden länger als einige Wochen bestehen
Je früher wir reagieren, desto besser die Prognose.
