27. Februar 2026

Karpaltunnelsyndrom

Es beginnt oft harmlos: ein leichtes Kribbeln in Daumen, Zeige- oder Mittelfinger. Vielleicht schlafen nachts „die Hände ein“. Manche müssen die Hand ausschütteln, damit es besser wird. Andere berichten, dass ihnen plötzlich Dinge aus der Hand fallen.Hinter diesen Symptomen steckt nicht selten ein Karpaltunnelsyndrom – die häufigste Engpassneuropathie überhaupt.

Unser Podcast zum Thema

Das Thema im Video erklärt

Was passiert beim Karpaltunnelsyndrom?

Im Bereich des Handgelenks verläuft ein enger „Tunnel“, der sogenannte Karpaltunnel. Durch ihn ziehen Beugesehnen und ein wichtiger Nerv: der Nervus medianus.

Wird es in diesem Tunnel zu eng – etwa durch Schwellungen, Sehnenscheidenentzündungen, hormonelle Veränderungen (z. B. in der Schwangerschaft) oder chronische Überlastung – gerät der Nerv unter Druck.

Typische Symptome – und warum sie nachts schlimmer sind

Charakteristisch sind:

  • Kribbeln oder Taubheit in Daumen, Zeige- und Mittelfinger
  • Nächtliches „Einschlafen“ der Hand
  • Schmerzen, die bis in den Unterarm ziehen können
  • Kraftverlust, z. B. beim Öffnen von Flaschen
  • Im fortgeschrittenen Stadium: sichtbarer Muskelschwund am Daumenballen

Warum nachts?

Im Schlaf beugen viele Menschen unbewusst ihre Handgelenke. Diese Stellung erhöht den Druck im Karpaltunnel zusätzlich. Der ohnehin gereizte Nerv meldet sich, gern um drei Uhr morgens.

 

Wie stelle ich die Diagnose?

Die Diagnose beginnt mit Zuhören. Eine gute Anamnese ist oft schon die halbe Miete. Danach folgen gezielte Untersuchungen.

1. Klinische Tests

Bestimmte Provokationstests am Handgelenk können die Beschwerden reproduzieren. Sie sind einfach, aber erstaunlich aussagekräftig.

2. Neurographie – die Nervenmessung

Die Neurographie misst die Nervenleitgeschwindigkeit des Nervus medianus.

Ist der Nerv im Karpaltunnel eingeengt, wird das elektrische Signal verlangsamt. Für viele ist diese Untersuchung etwas unangenehm, aber sie dauert nur kurz und liefert sehr wertvolle Informationen, vor allem über den Schweregrad.

3. Ultraschall des Nervs – mein persönlicher Favorit

Was viele nicht wissen: Man kann den Nerv auch sehen.

Mit hochauflösendem Ultraschall lässt sich der Nervus medianus direkt darstellen. Beim Karpaltunnelsyndrom ist er typischerweise vor dem Tunnel verdickt – wie ein Stau vor einer Baustelle.

Vorteile des Ultraschalls:

  • schmerzfrei
  • schnell
  • zeigt auch anatomische Besonderheiten (z. B. Zysten, Sehnenschwellungen)

Ich kombiniere in meiner Praxis meist Neurographie und Ultraschall. Das ergibt ein sehr rundes Bild – funktionell und strukturell.

Wann sollten Sie sich untersuchen lassen?

  • Wenn Ihre Hand regelmäßig nachts einschläft
  • Wenn Sie Gefühlsstörungen bemerken
  • Wenn die Kraft nachlässt
  • Wenn Beschwerden länger als einige Wochen bestehen

Je früher wir reagieren, desto besser die Prognose.

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